B&W Bowers & Wilkins 803 D3, Rotel RC-1590 / RB-1590 (2024)

Wie kaum ein anderer Lautsprecher haben die Modelle der 800er-Serie von Bowers & Wilkins regelrecht HiFi-Geschichte geschrieben. Seit Jahrzehnten liegen die exzellent verarbeiteten Lautsprecher mit ihren Hightech-Chassis in der Gunst der audiophilen HiFi-Liebhaber. Mit der neuen Modellreihe D3 wird das wohl auch so bleiben, allerdings nun ohne die typischen gelben Kevlar-Membranen. Wir haben dem neuen Standlautsprecher 803 D3 auf den Zahn gefühlt.

Seit 40 Jahren haben Modelle der 800er-Serie Maßstäbe in Sachen Klangqualität und Verarbeitung gesetzt. Jede der regelmäßigen Überarbeitungen brachte die jeweils aktuellen 800er immer auf den bestmöglichen Stand der Technik. Mit akribischer Grundlagenforschung haben die Bowers & Wilkins-Entwickler bahnbrechende Technologien ersonnen – wie die legendäre Nautilus-Röhre zur Bedämpfung von Hoch- und Mitteltöner, der extrem effektiven Matrix-GehäuseVersteifung, dem auffällig gelben Membranmaterial Kevlar und nicht zuletzt dem ungewöhnlichen und kostspieligen Einsatz von Diamant als Hochtonkalotte.

Bowers & Wilkins 803 D3


Unser Testkandidat 803 D3 ist die drittgrößte Standbox aus der brandaktuellen 800er-Serie und mit einer Höhe von 110 Zentimetern ein mächtiger und dennoch wohnraumtauglicher Lautsprecher. Bis auf die Diamantkalotte haben die britischen Entwickler alle Details neu überdacht – ein komplett neues Produkt ist dabei herausgekommen.

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Doch was wollen die Briten bei einer 803 Diamond noch großartig verbessern? Nun, die kreativen Köpfe bei Bowers & Wilkins sind immer auf der Suche nach Verbesserungen – ob im Kleinen oder Großen. Und das ist gut so, denn nur so gibt es Innovation. Und davon gab es in der Vergangenheit ja bereits reichlich. Wie eben die legendäre, gelbe Kevlarmembran. Wenn die Briten dann die bereits seit 1974 verwendete Kevlarmembran über den Haufen werfen, geschieht dies garantiert nicht einfach nur so zum Spaß. Mit neuen Möglichkeiten, die beispielsweise eine Laseranalyse bietet, haben sich die Briten an ein anderes Membranmaterial herangewagt. Vor acht Jahren begannen die Entwickler mit ihrer Forschung, dem perfekten Material und der perfekten Struktur und Geometrie auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis findet sich in allen neuen Lautsprechern der 800-D3-Modellreihe also auch unserem Testmuster 803 D3. Seit acht Jahren beschäftigen sich die Briten mit dem neuen Continuum-Material. Wie sie sagen, hat es während der Entwicklung selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen, so dass die silbrig schimmernde Flechtmembran nun im Zentrum jedes 800er-Modells ihre Arbeit verrichtet. Bei unterschiedlichen Belastungen und Pegeln schwingt die Continuum-Membran über den gesamten Querschnitt betrachtet sehr gleichmäßig. Unter anderem daher rührt die wohl unvergleichlich neutrale und souveräne Musikwiedergabe. Auch beim Tieftöner haben die Briten nachgelegt. Hier kommt nun statt des bewährten Rohacell-Materials eine neue Membran zum Einsatz, die von den B&W-Machern „Aerofoil“ getauft wurde. Aerofoil wurde mithilfe aufwendiger Computersimulationen entwickelt und durch die Verwendung eines neuen Kernmaterials besonders steif. Der Musikliebhaber profitiert am Ende von äußerst geringen Verzerrungen, die eine besonders hohe Klangtreue erwarten lassen. Beim Hochtöner vertrauen die Engländer auf die bestbewährte Diamantkalotte, die vor Jahren ebenfalls im Hause B&W entwickelt wurde. Allerdings wurde das Hochtönergehäuse grundlegend überarbeitet, das nun aus besonders massivem Aluminium besteht. Um den Hochtöner vom Gehäuse zu entkoppeln, setzen die Briten diesen auf ein Schwingungen reduzierendes Gel-System. Das Lautsprechergehäuse wurde ebenfalls komplett überarbeitet und quasi umgekehrt. Nunmehr ist die Front sanft abgerundet und durch das mehrlagige Holz besonders steif. Kantenreflexionen werden durch diese Bauweise effektiv minimiert. Zudem setzt man auf eine neu konstruierte Aussteifung im Gehäuse. Die „3DMatrix“ besteht jetzt aus Schichtholz anstatt aus MDF, wie bei den Vorgängermodellen. Zusätzlich ist die Matrix an besonders neuralgischen Punkten mit Metallelementen verstärkt.

Technologieträger

Oben auf der 803 D3 thront das markante Mittelton-Gehäuse – das Turbine Head. Dieses ebenfalls überarbeitete Gehäuse besteht nun aus Aluminium, verfügt über effektive, innere Versteifungsrippen und sorgt dank seiner Form für eine perfekte Schallabstrahlung des 130-mm Continuum-Mitteltöners. Dieser neue FST-Mitteltöner (Fixed Suspension Transducer) ist in einem besonders verlustarmen Ring aus einem geschäumten Polymer gelagert, der die Probleme sonst üblicher Sicken vermeidet. Ganz obenauf im eigenen, entkoppelten Gehäuse sitzt der Diamantkalotten-Hochtöner mit 25-mm-Membran. Zwei der neuen Aerofoil-Tieftöner mit 180-mm Membranen kümmern sich im Zusammenspiel mit dem Flowport-Bassreflexkanal um die Reproduktion tiefer Töne. Dieser Flowport liegt inder Bodenplatte der 803 D3, daher thront das gesamte Gehäuse auf einem eigene Sockel samt Gummifüssen und Schwerlast-Rollen. So lassen sich die 65 Kilo Lebendgewicht der 803 D3 sogar nocht recht einfach im Hörraum bewegen. Wahlweise sind die B&W 803 D3 sind in schwarz glänzenden, mattweißen Lackgehäusen oder als echtholzfurnierte Version mit rotem Nussbaum erhältlich. Die Rückseite der 803 D3 besteht aus einem massiven, durchgängigen Alu-Profil, welches auch als Kühlkörper für die Frequenzweichenbauteile dient. Auch hier zeigt B&W seine typische Perfektion, denn diese Lautsprecher sind atemberaubend schön in allen Details und handwerklich herausragend gefertigt.

Labor

Im Messlabor zeigt sich die 803 D3 ebenfalls von ihrer Schokoladenseite. Über weite Frequenzbereiche bleibt sie ausgewogen und spielt weit über die Hörgrenze bis über 40 kHz. Auch der saubere Tiefbass ab 35 Hertz kann sich Sehen, bzw. Hören lassen. Für reale Wohnräume akustisch perfekt abgestimmt, liefert die 803 D3 einen sauberen, staubtrockenen, jedoch niemals überzogenen Tiefbass. Daher kann man die kleine Senke unterhalb 80 Hz durchaus als Pluspunkt verzeichnen. Ebenso ist die leichte Betonung um 10 kHz ein kleines i-Tüpfelchen in Sachen Brillanz und keineswegs aufdringlich. Geradezu sensationell gut zeigt sich die 803 D3 bei der Impulsmessung: Hier sind defacto keine Resonanzen oberhalb 1 kHz zu messen, auch der eher kritische Bereich von 200 - 1000 Hz wird von ohne Nachschwinger reproduziert. Hier zeigen sich bereits im Messlabor die Vorzüge der neuen Membranmaterialen.

Spielpartner

Natürlich sollte man einen Lautsprecher vom Kaliber einer Bowers & Wilkins 803 D3 nicht mit einem "einfachen" Vollverstärker der 500 Euro-Klasse betrieben. Der deutsche B&W Vertrieb war daher so freundlich, uns für den Test eine überaus potente Vor-End-Kombi aus dem Hause Rotel mitzuliefern; glücklicherweise wird Rotel ebenfalls von der BW Group in Halle/Westf. vertrieben. Mit der zweikanaligen Endstufe RB-1590 stand uns ein mächtige Verstärker zur Seite: Knapp 40 Kilo Gewicht und laut eigener Labormessung mit rund 700 Watt / 4 Ohm pro Kanal. Für die enorme Leistungsfähigkeit zeichnet ein gigantischer Ringkerntrafo im RB-1590 verantwortlich, der zusammen mit speziell entwickelten Netzteil-Kondensatoren für schier unendlich Nachschub an Strom für die Batterie der Leistungstransistoren sorgt. Auf der Rückseite des mächtigen, aber schlichten Metallgehäuses sorgen solide Bi-Wiring-Terminals für kontaktsicheren Anschluss der Lautsprecherkabel, als Signal-Eingänge stehen neben Cinchbuchsen auch professionelle, symmetrische XLR-Buchsen zur Verfügung. Um die Quellenwahl und Aufbereitung der Musiksignale sorgt sich die Vorstufe RC1590 von Rotel. Sie passt perfekt zur RB-1590, ist ebenso solide wie aufwändig gebaut und bringt immerhin über 9 Kilogramm auf die Waage. Von vorne ist die RC-1590 eher elegant gehalten, erst auf der Rückseite zeigen sich die vielfältigen Anschlussmöglichkeiten und Funktionen dieser Vorstufe. Neben vier analogen Cinch-Inputs (inkl-Phono) stehen ein symmetrischer Eingang und insgesamt 6 digitale Inputs zur Verfügung. Auch bietet ein USB-Eingang Zugang für digitale Musikdaten vom PC bis zu 24 Bit und 196 kHz (inklusive DSD Streams). Nicht genug: selbst ein Bluetooth-Modul (aptX) steht für den Empfang von Smartphone-Musikdaten parat. Eine ganze Reihe digitale und analoger Ausgänge (inklusive zwei Zonen-Out als symmetrischer XLR-Buchsen) ermöglichen jede erdenkbare Konstellation in einer hochwertigen HiFi-Kombi.

Hörtest


Wir haben diese faszinierende Kombi aus Bowers & Wilkins 803 D3, Rotel RB-1590 und Rotel RC-1590 mit einer Vielzahl von digitalen Musiktiteln vom Mediastreamer als auch mit analogen Signalen vom Plattenspieler gefüttert. Dabei zeigte sich in praktisch allen Fällen – egal bei welchem Musikstil oder Pegel – das enorme Potential dieser Ausnahme-Kombi. Extrem souverän und gelassen spielte die 803 D3 selbst tiefste Bass-Solos von John Patituccis Album "Line by Line", kraftvoll und dennoch unaufdringlich. Ihre größten Stärken spielt die Bowers & Wilkins mit ihren unglaublich packenden, detailierten und raumgreifenden Mitteltonwiedergabe aus. Stimmen und Instrumente stehen zum greifen nahe im Raum, Klangfarben werden mit höchster Präzision und Akribie reproduziert. Dabei gelingt der B&W - Rotel -Kombi der schwierige Spagat zwischen audiophiler, feinzeichnender Analyse jeglichen Musikmaterials und einem enorm hohen Spaßfaktor. Die B&W 803 D3 ist bei weitem nur ein Schöngeist sondern kann es auch mal richtig krachen lassen – und wie! Die mächtige Rotel-Kombi unserer Test-Kombi tut dabei ein Übriges und liefert Saft und Kraft ohne Ende.

Fazit

Erstaunlich, dass man einen Lautsprecher wie die legendäre 803 noch besser machen kann – doch Bowers & Wilkins hat mit der aktuellen 803 D3 bewiesen, dass dies möglich ist und enorm viel Sinn macht. Denn dieser Lautsprecher legt die bereits haushohe Messlatte nochmals höher und eröffnet neue klangliche Sphären. Diese B&W- Rotel-Kombi kann begeistern, weckt Emotionen, sie kann „rocken“ und macht auf der ganzen Linie einfach nur Spaß!

B&W Bowers & Wilkins 803 D3, Rotel RC-1590 / RB-1590 (2024)

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